Zukunftskonferenz an der Wigbertschule

Demokratie zum Anfassen: Wigbertschule bringt Hünfelds Zukunft auf die Agenda

 

Beitrag von Martin Veltum

 

Was oft als abstraktes Lernziel im Lehrplan steht, wurde an der Wigbertschule konkret erlebbar: Demokratie als Beteiligung, als Streitkultur und als gemeinsame Suche nach Lösungen. In einer gemeinsamen Zukunftswerkstatt der Wigbertschule und der Stadt Hünfeld diskutierten Schülerinnen und Schüler mit kommunalen Verantwortungsträgern über die Zukunft ihrer Stadt – und zeigten dabei, wie ernsthaft junge Menschen ihre Rolle als Mitgestaltende verstehen.

 

Im Zentrum der Veranstaltung standen demokratische Bildung, die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls sowie die Förderung von Kreativität und Eigenverantwortung. Es ging dabei um konkrete Ideen für die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen in Hünfeld: ein 24/7-Laden, mehr Veranstaltungen und Treffpunkte, Kleidungsgeschäfte für die junge Zielgruppe, kostenfreies WLAN oder neue Kulturangebote wie Kinoformate. Vorschläge, die nicht aus der Theorie, sondern aus dem Alltag der Jugendlichen entstanden sind.

 

In den Diskussionsrunden mit Bürgermeister Benjamin Tschesnok, Vertretern des Deutschen Roten Kreuzes, der offenen Jugendarbeit sowie Schülerinnen und Schülern der Wigbertschule wurde schnell deutlich: Kommunikation ist der Schlüssel – und Beteiligung mehr als ein symbolischer Akt. Der Bürgermeister zeigte sich offen für die eingebrachten Ideen, warb für die Nutzung der städtischen Informationskanäle – darunter die App „Hünfeld meine Stadt“ – und bezog zu den Vorschlägen argumentativ, realpolitisch und auf Augenhöhe Stellung.

 

Besonders greifbar wurde der Zukunftsbezug beim Thema „Innenstadtlabor Hünfeld“. Die Stadt hat sich mit diesem Projekt erfolgreich um Fördermittel beworben. Geplant ist, ein derzeit leerstehendes Ladenlokal in der Innenstadt als Kombination aus Pop-up- und Concept-Store sowie als Raum für Veranstaltungen und Aktivitäten zu nutzen. Ziel ist es, verschiedene Altersgruppen anzusprechen und neue Impulse für die Innenstadt zu setzen. Nachdem der Förderbescheid nun vorliegt, soll das Projekt ab 2026 konzeptionell weiterentwickelt und bis Ende 2028 umgesetzt werden. Der Rathauschef lud die Schülerinnen und Schüler ausdrücklich ein, sich auch in den geplanten Workshop im Bahnhof einzubringen – ein Signal, dass ihre Ideen nicht nur angehört, sondern weitergedacht werden sollen.

 

Organisiert und initiiert wurde die Zukunftswerkstatt von Schulleiterin Sandra Möllers, Fachbereichsleiterin Dr. Katja Müller (gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld) sowie Fachsprecherin Sarah Anders (Politik & Wirtschaft). Die Diskussion wurde zusätzlich bereichert durch den Sozialpädagogen Simon Heil, Leiter der offenen Jugendarbeit unter Trägerschaft des DRK, sowie durch Stadträtin Karin Grosch.

 

Beteiligt waren die Schülervertretung unter der Leitung von Iris Feick und Jan Kierblewski, die Klassensprecherteams aller Klassen der Schule und besonders auch die Klassensprecherinnen und Klassensprecher sowie deren Vertretungen der Jahrgangsstufe 7. Sie werteten die Rückmeldebögen aller Schülerinnen und Schüler, die im Vorfeld ausgefüllt wurden, aus und bereiteten im Politikunterricht die Vorstellung der Projekte vor. Für die professionelle und zugleich beteiligende Moderation sorgten Henry Hambach und Leon Kolbe aus der Jahrgangsstufe 12, die mit Humor, Struktur und inhaltlicher Klarheit durch die Veranstaltung führten.

 

Während der stellvertretende Schulleiter und Studiendirektor Matthias Leibold bei der Begrüßung den Projektgedanken erläuterte, die gesamte Schulgemeinschaft in einem echten politischen Diskurs einzubinden und allen Beteiligten für die fachlich fundierte Ausarbeitung, auch im Namen von Schulleiterin Sandra Möllers dankte, führte Fachbereichsleiterin und Studiendirektorin Dr. Katja Müller in der Verabschiedung lobend aus, dass im gemeinsamen Dialog zwischen Bürgermeister Benjamin Tschesnok und allen Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmern großes Interesse an der jeweiligen Perspektive deutlich wurde. Vor allem würdigte sie die Projekte der Schülerinnen und Schüler sowie die Leistung der Moderatoren: Ihr Einsatz, so Müller, sei von Respekt, inhaltlicher Substanz und echter Vision getragen gewesen.

 

Die Zukunftswerkstatt hat damit gezeigt: Wenn junge Menschen ernsthaft beteiligt werden, entsteht ein Dialog über die Stadt von morgen – und ein Stück gelebte Demokratie im Hier und Jetzt.

 

 

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