Exkursion zu Kali+Salz nach Neuhof
Vom Kalisalz zum Düngerkorn und was danach?
Geographie-Grundkurs Q1 besucht das Kaliwerk K+S in Neuhof-Ellers
Mitte Januar unternahm der Geographie-Grundkurs Q1 unter der Leitung von Sabine Mielke eine Exkursion zum Kalibergwerk K+S in Neuhof. Insgesamt 14 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Betriebsbesichtigung teil. Ziel war es, theoretische Unterrichtsinhalte mit konkreten Einblicken in industrielle Prozesse und aktuelle regionale Konfliktfelder zwischen Ökologie und Ökonomie zu verknüpfen.
Bereits vor der eigentlichen Betriebsbesichtigung bereitete sich der Kurs intensiv auf die Exkursion vor. Dabei stand der mineralische Rohstoff „Kalisalz“, seine geologische Entstehung sowie die wirtschaftliche Bedeutung des Kaliabbaus für die Region im Vordergrund. Zudem recherchierte der Kurs über die aktuelle regionale Situation des Betriebes und den Stand des Austausches am sogenannten „Runden Tisch“, an dem Vertreter des Unternehmens, der Politik und der Bürgerinitiative „Umwelt Neuhof“ beteiligt sind, um über den Rückbau der Halde und Maßnahmen gegen die Boden- und Gewässerversalzung zu beraten und zu einem von allen Seiten akzeptierten Konsens zu kommen.
Vor Beginn der Führung erhielt die Gruppe eine vollständige persönliche Schutzausrüstung. Dazu gehörten Arbeitsschuhe, Kittel, Ohrstöpsel, Schutzbrillen sowie Headsets, über die die Erläuterungen der Mitarbeitenden vermittelt wurden -aufgrund der hohen Geräuschkulisse leider nicht immer verständlich. Diese Ausstattung verdeutlichte bereits zu Beginn die besonderen Arbeitsbedingungen im Werk.
Während der Führung durch das Werk erläuterten Mitarbeitende des Unternehmens die einzelnen Schritte der industriellen Verarbeitung: Vom Abbau des Kalisalzes über dessen Aufbereitung bis hin zur Herstellung marktfähiger Düngemittel. Dabei wurde deutlich, wie viele verschiedene Arbeitsschritte nötig sind und wie stark die Arbeitsabläufe technisiert sind. Mühlen, Siebe, Maschinen, Förderanlagen, Laugenbecken und automatisierte Prozesse prägen den Arbeitsalltag. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfanden die Lautstärke, die Gerüche und staubigen Abfallprodukte teilweise als sehr gewöhnungsbedürftig – ein echter Kontrast zur oft abstrakten Darstellung industrieller Produktion im Unterricht. Damit wurde eine zentrale Leitfrage der Exkursion beantwortet: Wie aus einem natürlichen Rohstoff ein weltweit gefragtes Produkt für die Landwirtschaft entsteht.
Darüber hinaus setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit ökologischen Fragestellungen auseinander. Vor allem mit der Frage, was mit dem riesigen Haldenberg passiert, wenn kein Salz mehr gefördert werden kann. Dies wird nämlich in den nächsten 20 bis 25 Jahren der Fall sein. Insbesondere die Haldenwasserrückstände und die damit verbundenen Umweltbelastungen standen im Fokus. Auch die Nachhaltigkeit der bestehenden Entsorgungskonzepte des Unternehmens wurden thematisiert, ein Aspekt, der im öffentlichen Diskurs der Region derzeit eine wichtige Rolle spielt und seit 2022 in diversen Bürgerversammlungen der Gemeinde und in der regionalen Presse große Aufmerksamkeit genießt. Auch die für 100 Jahre geplanten Maßnahmen des Unternehmens zur Rekultivierung und Begrünung des ca. 500 m hohen „Monte Kalis“ wurden zur Diskussion gestellt und kritisch hinterfragt.
Die Exkursion bot einen wichtigen Einblick in die komplexen Zusammenhänge von Rohstoffgewinnung, Wirtschaft und Umweltschutz. Sie verdeutlichte, dass das Fach Geographie nicht nur natürliche Prozesse beschreibt, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Konflikte und Interessenslagen analysiert. Damit stellte der Besuch im Kaliwerk K+S für den Kurs eine lehreiche und zugleich nachdenklich stimmende Erfahrung dar.
Sabine Mielke