Besuch der Quartiermanagerin
Stadtplanung ganz praxisnah direkt vor der Haustür
Geographie-Grundkurs besucht das Stadtteilbüro Hünfeld Nord/Ost
Ende Mai unternahm der Geo-GK der Q2 eine Exkursion zum Thema „Stadtbauförderprogramm – Sozialer Zusammenhalt“. Ziel der Exkursion war das Stadtteilbüro Hünfeld Nord/Ost, wo die Quartiersmanagerin Bianca Weber den Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick in die Arbeit des Förderprogramms gab.
Zu Beginn erläuterte Frau Weber die wichtigsten Grundlagen des Förderprogramms, dessen Laufzeit auf zehn Jahre angelegt war und in diesem Jahr endet. Das Projekt wird vom Bund sowie vom Land Hessen gefördert und verfolgt das Ziel, Stadtteile nachhaltig aufzuwerten und das soziale Miteinander zu stärken. Das Quartier Hünfeld Nord/Ost wurde von der Stadt ausgewählt, da sich der Stadtteil in einem starken Umbruch befindet: Viele ältere Menschen leben dort, zahlreiche Häuser stehen leer und verschiedene Bereiche des Quartiers weisen einen deutlichen Entwicklungsbedarf auf.
Besonders hob Frau Weber hervor, wie wichtig die enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure bei einem solchen Programm sei. So arbeiten die Stadtplanungsabteilung, externe Planungsbüros sowie die Jugend- und Familiensozialarbeit eng zusammen, um Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. Gleichzeitig betonte sie, dass die Beteiligung der ansässigen Bürgerinnen und Bürger vor Ort eine zentrale Rolle spiele. Deshalb wurde u.a. ein Bürgerrat gegründet, der regelmäßig zusammentrifft, Ideen einbringt und geplante Maßnahmen diskutiert.
Im Verlauf der Veranstaltung stellte Frau Weber verschiedene konkrete Projekte vor, die im Rahmen des Förderprogramms umgesetzt wurden. Dazu gehören u.a. der imposante Neubau der Kita „Arche Noah“ für ca. 4,2 Mio. Euro, die nachhaltige Sanierung der Kita St. Ulrich, die Veränderung und Erneuerung von Verkehrswegen wie der Berliner Straße, die Umgestaltungsideen des Kirchplatzes, die Begrünung von Straßen, Renaturierung der Hasel sowie die Erneuerung des Spielplatzes „Am Wäldchen“. Besonders interessant ist hierbei, dass bei der Gestaltung des neuen Spielplatzes zu fast 100 Prozent die Wünsche der ortsansässigen Kinder berücksichtigt wurden, wodurch ein neuer beliebter Treffpunkt entstanden ist. Nach dem Vortrag besichtigte der Kurs die bereits umgesetzten Maßnahmen direkt vor Ort und konnte somit die Veränderungen im Quartier unmittelbar nachvollziehen. Was bereits kleine Veränderungen bewirken können, zeigt dabei das „Lieblingsprojekt“ von Frau Weber, der „Metallbücherschrank“. An einem einst von Unkraut übersäten Platz steht jetzt ein wettergeschützter Metallschrank, in den Bücher eingestellt, aber auch ausgeliehen werden können. Das Projekt fördert nicht nur Nachhaltigkeit und Bildung, sondern stärkt zugleich das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Quartiers.
Darüber hinaus berichtet Frau Weber aber auch offen über die zahlreichen bürokratischen Hürden, Anträge und Konzepte, die im Laufe der Jahre entwickelt werden mussten. Einige Ideen seien trotz intensiver Planung und hohem finanziellen Aufwand letztlich nicht umgesetzt worden, da unterschiedliche Vorstellungen von Institutionen oder Investoren bestanden. Einige gute Konzepte seien daher „in der Schublade verschwunden“. Den Schülerinnen und Schülern wurde dadurch deutlich, wie komplex Stadtentwicklung ist und wie viele Interessen miteinander abgestimmt werden müssen.
Trotz aller Schwierigkeiten zog Frau Weber insgesamt ein positives Fazit. Die sichtbaren Veränderungen im Quartier würden zeigen, dass sich das Förderprogramm gelohnt habe. Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass solche Programme in der Öffentlichkeit, noch bekannter gemacht werden müssten – vor allem über moderne mediale Plattformen, da insbesondere Jugendliche kaum über die Möglichkeiten und Maßnahmen informiert sind.
Die Exkursion vermittelte dem Geo-Kurs eindrucksvoll, wie wichtig Bürgerbeteiligung, Zusammenarbeit und langfristige Planung für eine erfolgreiche Stadtentwicklung sind. Frau Weber hinterließ den Eindruck einer äußerst engagierten Quartiersmanagerin, die bereits nach neuen Förderprogrammen für die Zukunft Ausschau hält.
Sabine Mielke