125 Jahre Wigbertschule
Feierlichkeiten zu „125 Jahre Wigbertschule“:
Flashmob und Festakt
Am Dienstag, 23. Juni 2026, feierte die Wigbertschule in Hünfeld ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Flashmob auf dem Pausenhof und einem anschließenden Festakt in der Aula. Schulleitung, Ehemalige, Gäste aus Politik und Bildung sowie Schülerinnen und Schüler erinnerten an die Geschichte der Schule und blickten auf künftige Bildungsaufgaben.
Am Vormittag hatten sich zunächst alle Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenhof zu einem Flashmob versammelt. Hier bildeten sie die Zahl 125 nach und tanzten unter Anleitung von Pia-Maria Sauer verschiedene Moves. So konnten auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler trotz großer Hitze den Gemeinschaftsgeist spüren, der die Wigbertschule ausmacht.
Beim anschließenden Festakt in der Aula versammelte sich dann eine große Festgemeinde von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, aktuellen und ehemaligen Lehrkräften der Schule, darunter die ehemaligen Schulleiter Rainer Rudolph, Alfred Helgert und Markus Bente sowie einige Kooperationspartner und offizielle Vertreterinnen und Vertretern der Öffentlichkeit.
Bürgermeister Benjamin Tschesnok, der einst selbst Schüler der Wigbertschule war, gratulierte im Namen der Stadt Hünfeld. Er erinnerte daran, dass die Wigbertschule nach dem Krieg auch in der Trägerschaft der Stadt Hünfeld gestanden hatte. Diese langjährige Verbundenheit von Schule und Stadt dauere bis heute an, so habe er erst in der letzten Woche den Abiturjahrgang 2026 im Rathaus empfangen. „Die Wigbertschule ist ein fester Bestandteil unseres städtischen Lebens“, so der Bürgermeister. Herr Tschesnok überreichte der Wigbertschule ein Luftbild der Schule.
Für den Landkreis Fulda, den Schulträger, sprach Landrat Bernd Woide. Er erinnerte an den Beginn der Wigbertschule im Jahr 1901 als bischöfliche Lateinschule, die noch im heutigen Rathaus angesiedelt war. Seitdem habe sich der Bildungsauftrag, Schülerinnen und Schülern zu Mitgliedern unserer Gesellschaft zu entwickeln, erhalten. Auch angesichts der schwierigen Umstände im Zusammenhang mit sozialen Medien, mit denen junge Menschen heute konfrontiert seien, sieht Woide der Schule eine um so wichtigere Aufgabe zukommen. Er dankte seinem „Landkreis-Personal“, den Hausmeistern und den Schulsekretärinnen für ihre immens wichtige Arbeit, aber auch den Lehrkräften, die sich für die Kinder und Jugendlichen engagieren, sowie deren Eltern.
Für das Staatliche Schulamt für den Landkreis Fulda sprach der Leitende Schulamtsdirektor Christian Pießnack. Er war in den Jahren 2016 bis 2020 selbst Studienleiter an der Wigbertschule und bekannte, dass er viele schöne Erinnerungen mit dieser Schule verbinde.
Pießnack betonte gute pädagogische Initiativen, allen voran die Schüleraustausche nach Landerneau (Frankreich), Proskau (Polen) und Liyang (China). Er nehme die Wigbertschule als einen Ort wahr, an dem nicht nur gelernt werde, sondern auch als einen Ort, wo sich Schülerinnen und Schüler gerne aufhalten, wie man an dem breiten Spektrum der Arbeitsgemeinschaften sehe: seien es die sportlichen, musikalischen oder die sozialen Angebote. Die Wigbertschule sei ein Ort der grundständigen und gymnasialen Bildung und halte den Schülerinnen und Schülern sämtliche Möglichkeiten am Ende ihrer Schulzeit offen. Darauf könnten alle Mitglieder der Schulgemeinschaft stolz sein.
Auch Thomas Busold, der kommissarische Leiter des Studienseminars Fulda beglückwünschte die Wigbertschule, die seit 1967 Ausbildungsschule des Studienseminars ist. Er verwies darauf, dass die Wigbertschule eine „sehr gute Ausbildungsschule“ sei, was man daran erkennen könne, dass so viele ehemalige Referendarinnen und Referendare später eine professionelle Heimat an der Wigbertschule gefunden hätten.
Die Vorsitzende des Schulelternbeirates Yvonne Romeis betonte die Partnerschaft der Eltern, die elementare Begleiter der Schule seien, und freute sich, dass die Wigbertschule so eine lebendige Schulgemeinschaft sei.
Der Vorsitzende des Fördervereins, Steffen Diegmüller, erwähnte, dass mittlerweile über 5000 Abiturientinnen und Abiturienten die Schule verlassen hätten. Dies zeige, welche Qualität die Schule habe. Für den Förderverein sei die Unterstützung der Wigbertschule selbstverständlich, so sponsore sie z. b. jährlich den Wigbertpreis, der in diesem Jahr an Caspar Dris und Leon Kolbe ging. Auch die Neuanlage des Pflanzbeetes sei durch den Förderverein gestiftet worden. Als Geburtstagsgeschenk hatte der Förderverein zwei neue Bänke mit der Aufschrift „Kein Platz für Rassismus – kein Platz für Ausgrenzung“ für das Foyer sowie eine Airtrack-Matte für den Sportunterricht gestiftet.
Die Grußworte wurden umrahmt von musikalischen Beiträgen des Schulchores „WiVox“ unter der Leitung von Thomas Nüdling sowie des Blasorchesters „Bl-O-W“, dirigiert von Martin Genßler. Sie musizierten zusammen das Wigbertlied. Sodann trugen der Chor das Lied „Applaus, Applaus“ und das Blasorchester das Stück „Fortune und Triumph“ vor. Das sportliche Profil wurde durch eine Gruppe Gerätturnerinnen vertreten. Unter der Leitung ihrer Trainerin Josephine Rieger stellten die Mädchen eine gemeinsam entwickelte Show vor.
Die Festrede war geteilt in drei Bereiche: Die Vergangenheit der Schule wurde durch einen langjährigen Lehrer vorgestellt, der Gegenwart widmeten sich eine aktuelle Schülerin und ein aktueller Schüler. Gedanken über die Zukunft der Schule formulierte sodann die Schulleitung.
Dr. Leonhard Hering, der seit 1965 als Schüler die Wigbertschule besucht und später als Lehrer dort unterrichtet hatte, warf einen Blick auf die Nachkriegszeit. Die Schule sei in dieser Zeit in der Mackenzeller Straße gewesen, wo jetzt die Paul-Gerhard-Schule steht. 1969 sei die Schule in die heutige Jahnschule umgezogen. Es habe Kurzschuljahre gegeben und lateinische Klassenbezeichnungen, wie Sexta, Quinta und Quarta. Außerdem habe der Unterricht auch an Samstagen stattgefunden. In der Oberstufe seien noch Ziffernnoten von 1 bis 6 gegeben worden und ein Abiball sei von den Abiturientinnen und Abiturienten Anfang der 70er Jahre als spießig abgelehnt worden. 1974/75 sei dann der Umzug in das heutige neu gebaute Gebäude erfolgt. Im Jahr 1976 sei das Kurssystem mit den Halbjahren Q1-4 eingeführt worden, die für das Abitur zählen, und das Punktesystem von 1 bis 15 habe die bisherige Notenskala abgelöst . In dieser Zeit sei auch die Theaterwerkstatt gegründet worden. So setzte er die Chronologie bis heute fort, indem er jeweils die Amtszeiten der Schulleiter bis zur heutigen Schulleiterin Sandra Möllers mit charakteristischen Ereignissen versah.
Die Gegenwart stellten die Schülervertreter Tolga Güngör (Q2) und Paula Raschka (E2G1) vor. Sie hatten Mitschülerinnen und -schüler über die Wigbertschule befragt und herausgefunden, dass viele positive Dinge an der Wigbertschule wahrgenommen würden, so etwa die Meinungs- und Religionsfreiheit und das herausragende Angebot an Bildungsmöglichkeiten, die kostenlose Ausleihe von Schulbüchern (Lernmittelfreiheit), die gut ausgestattete Sporthalle, das tolle Angebot an Schüleraustauschen sowie die musikalischen Arbeitsgemeinschaften. Besonders betonten sie das tolle Angebot der Theaterwerkstatt. Dennoch sähen sie auch Verbesserungsbedarf, z. B. den fehlenden Zugang der Biologie- und Chemieräume für mobilitätseingeschränkte Schülerinnen und Schüler. Besonders hervorzuheben seien aber das Engagement der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte. Es seien die kleinen Momente im Alltag, die zum Schmunzeln und zur Freude anregten. Am Schluss benannten sie aber auch selbstkritisch, was nicht in Ordnung ist: Mobbing, Homophobie und Ausgrenzung. Trotz aller Freude gebe es dennoch Schülerinnen und Schüler, die deshalb nicht gerne in die Schule gingen. Dieses Problem müsse angegangen werden.
In die Zukunft schauten am Schluss Sandra Möllers und Matthias Leibold: Zwar sei die digitale Technik ein innovativer Faktor, doch der wichtigste Faktor sei immer noch der Mensch. Sie verwiesen darauf, dass die Lehrkraft eine entscheidende Bedeutung für den Bildungserfolg habe. Sie bezogen sich dabei auf Bildungsstudien der OECD: „Was sind die Schlüsselkompetenzen der Zukunft?“ fragten Möllers und Leibold. Nicht nur Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen. Sie betonten v. a. das eigenverantwortliche Lernen angesichts rasanter Veränderungen in künstlicher Intelligenz oder Klimawandel. Lernen gelinge dort, wo Menschen den Mut haben, Neues auszuprobieren, so das Schulleitungsteam. Eine gute Schule sei diejenige, die befähigt, den eigenen Weg zu gehen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Diese Schule brauche Menschen, die dies ermöglichen, die Beziehung gestalten: Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Hausmeister. Möllers berichtete vom Abend des Faches „Darstellendes Spiel“, bei dem Sorgen, Ängste und Wünsche beeindruckend auf die Bühne gebracht worden seien. Hier habe vor allem die Angst vor monotoner Unterrichtskultur durch KI und Maschinen im Vordergrund gestanden. „Wichtig ist, dass der Mensch wieder im Zentrum steht,“ so die Schulleiterin.
Den Abschluss bildeten ein Musikstück für Violine und Klavier von Tilo Neuhof (Q2) und Thomas Nüdling sowie der irische Segen des Lehrerchores. Mit einem Imbiss, einer von Iris Feick selbst gebackenen Jubiläumstorte und vielen guten Gesprächen klang die zweistündige Feierstunde am Nachmittag gelungen aus.
Christoph Heigel