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Profilsucht- Renaissance der Technikgläubigkeit- Modeerscheinung?


Die Theaterarbeit der Wigbertschule geriet nach Jahren bedeutender, erfolgreicher Präsentationen im Kolpinghaus Hünfeld und im Schlosstheater Fulda schlagartig in eine Existenzkrise, als die langjährige Leiterin der Theaterwerkstatt, Frau Studienrätin Christine van Endert-Saillet, den jugendlichen Mitstreitern und den Förderkreismitgliedern aus dem Kollegium und aus der Elternschaft am 3. Oktober 1995 miteilte, dass sie aus gesundheitlichen Gründen keine Probenarbeit mehr leisten könne und sich dienstlich vorzeitig pensionieren lassen wolle. Woran man sich über Jahre wie an eine Selbstverständlichkeit gewöhnt hatte, sollte mit einem Mal nicht mehr sein: selbst entwickelte Bühnenstücke für eine Gruppe von Jugendlichen verschiedenen Alters, dramatisierte, szenisch erspielte Themen, die das Publikum erheitern, betroffen und nachdenklich machen, die strahlenden Akteure und ihre "Christine", die Spielleiterin, mitten vor der Guckkastenbühne, den Beifall des Publikums glücklich genießend. Schultheater, Schülertheater, Darstellendes Spiel gehören auch zur Lebensmitte einer Schule, selbst wenn die Schar derer, die von Zeit zu Zeit in einer Rolle stecken, sie sinnlich erfahren und gestaltend ausleben wollen, verhältnismäßig klein ist, einem ständigen Zunehmen und Schwinden in vielseitigem Sinne unterworfen.

Darum wurde in einer Vorstandsbesprechung des Fördervereins am 8. November 1995 beschlossen, nach Möglichkeit einen versierten Theaterpädagogen von außerhalb für die Theaterarbeit in der Wigbertschule zu gewinnen, denn aus dem Kreis des Kollegiums wollte sich keiner aus den verschiedensten Beweggründen der Aufgabe einer Nachfolge stellen. Die Arbeit sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden. Klaus-Hartwig Stolls Suche in der Region hatte Erfolg.

Seit Dezember 1995 führt Herr Arnold Pfeifer aus Schlüchtern das Spieltraining und die Probenarbeit mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Jahrgangsstufen auf Honorarbasis weiter. Inzwischen haben mehrere Aufführungen stattgefunden. Die Mitglieder der Theaterwerkstatt akzeptierten ihren neuen Spielleiter und bereiteten mit ihm kleine satirisch-sozialkritische Szenen zum Thema "Zauberlehrling" vor, die am Mittwochnachmittag, dem 31. Januar 1996, anlässlich der Abschlusspräsentation der 8. Fuldaer Schultheatertage im "Jugendtreff Fulda" reichlich Heiterkeit auslösten und besondere Beachtung beim Publikum und bei der theaterpädagogischen Konkurrenz fanden.

In den folgenden Wochen vor Ostern reifte die Entscheidung, ein Autorenstück zu inszenieren: Thornton Wilders Dreiakter "Unsere kleine Stadt". Kurz war die Probenzeit, dennoch: am 2. und 4. Juli 1996 ging die Inszenierung im Kolpinghaus mit beachtlicher Intensität über die Bühne. Die gezeigte Leistung verdient im Rückblick Bewunderung, da hier ein eher ernstes Stück von den meist noch recht jungen Darstellerinnen und Darstellern mit Engagement in Angriff genommen wurde und mit ihren natürlichen, von Herrn Pfeifer geweckten spielerischen Kräften überzeugend dargeboten werden konnte. Denn sichtbar wurde, dass unter der Bedingung eines Verzichts auf zusätzlich interpretierende Requisiten intensive Körper- und Sprecharbeit in den Proben geleistet worden war und wegen Doppelrollen-Besetzungen Flexibilität in der Figurengestaltung und -charakterisierung verlangt und gebracht wurde. Besonders erfreulich war auch, dass Herr StR Stefan Ragotzki mit seinem neugegründeten, frei, nicht "playback" singenden Jugendchor die szenische Rahmung der Handlungsfolge musikalisch ausgestaltete und der Aussage des Theaterstückes eine zusätzliche Deutungshilfe verlieh. Für sinnträchtige Beleuchtungseffekte sorgte Herr Pfeifer mit seinem eigenen Scheinwerferfundus.

Die Theaterwerkstatt präsentierte während der vorweihnachtlichen Performance unter dem Rahmenthema "Traumzeit" am 12. Dezember 1996 neben anderen Spielgruppen der Wigbertschule abends Szenen, die beinahe inhumane Verhaltensmuster und gestörte Kommunikation in häuslicher Umgebung karikierten. Hier zeigt sich der aktuelle Schwerpunkt der Theaterpädagogik mit Kindern und Jugendlichen: Herr Pfeifer animiert seine jungen Akteure - in manchen Akzenten den Intentionen von Frau van Endert-Saillet ähnlich -, "Eigenproduktionen" zu entwickeln und spielerisch auszuformen.

In der modernen Theaterpädagogik kommt man immer mehr davon ab, Autorenstücke, die eigentlich für Erwachsene geschrieben sind, von Schülern nachspielen zu lassen. Einen größeren persönlichkeitsbildenden Erfolg verspricht man sich, wenn die Jugendlichen mit ihren eigenen Problemen konfrontiert werden und sie szenisch zu gestalten versuchen. Dazu eignet sich beispielsweise das Thema "Gewalt". Durch Improvisationen bzw. durch das Nachspielen von Textentwürfen und -vorlagen sollen die Schüler zunächst einmal merken, wie sie innerlich zu dem Thema stehen, ob sie sich eher auf der Linie der Gewaltausübenden oder auf der Seite der Gewalterleidenden fühlen. Aus dem Gespräch heraus kristallisieren sich Ideen, wie die Fabel der Handlung aufgebaut sein könnte. In Improvisationen werden die Vorschläge ausprobiert. Solche kreative Prozesse erfordern Zeit und Geduld.

Wie aus der Theaterwerkstatt zu erfahren ist, ist man sich für das kommende Stück soweit einig, dass in seiner Handlung zwei unterschiedliche, gegensätzliche Gruppen aufeinander treffen werden. Einzelne Textpassagen, die im spontanen oder assoziativen Probespiel entstanden sind und als geeignet angesehen werden, sind inzwischen auf Tonband gesichert und werden zum passenden Zeitpunkt in die ständig wachsende szenische Komposition integriert. Bis zur heißen Phase der Aufführungen, die für Anfang Juni 1997 geplant sind, bleibt alles stets in kreativer Bewegung. Ziel der 15 Akteure und ihres Spielleiters, das Ergebnis der Arbeit im Film-Funk-Raum und anderswo nicht nur in Hünfeld, sondern auch in Schlüchtern und an anderen Orten vorzustellen. Auf die neue Bühnenproduktion ist die Hünfelder Schultheatergemeinde gespannt. Und jeder, der das "Darstellende Spiel" und die dahinterstehende Didaktik für die jungen Menschen unserer Schule als experimentelles Probehandeln hinsichtlich später ebenso möglicher Lebenssituationen favorisiert, der den Geist dieser Theaterform liebt, freut sich auf das Erlebnis im Großen Saal des Kolpinghauses und auf das Glücklichsein der jetzigen Spielgemeinschaft am Ende des Theaterabends.

Klaus-Hartwig Stoll / Horst Zander    

Adresse

Wigbertschule

Jahnstraße 9
36088 Hünfeld
 
Telefon  (06652) 2033
Telefax  (06652) 917243

 

 

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