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Ostbeauftragter der Bundesregierung an der Wigbertschule

MdB Christian Hirte anlässlich 30 Jahre Mauerfall


Für viele Menschen in der Region Hünfeld und Geisa waren die Jahre 1989/1990 ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben. Doch die heutigen Kinder und Jugendlichen haben, dreißig Jahre nach dem Mauerfall, zwangsläufig keine persönliche Erinnerung an diese Zeit. Daher bedarf es einer regelmäßigen Thematisierung dieser Ereignisse, zu denen die Älteren als Zeitzeugen biographische Bezüge besitzen.

Aus diesem Grund lud die Wigbertschule Staatssekretär Christian Hirte, den Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer, zu einem Gespräch mit Abiturienten ein. Fachbereichsleiter Volker Dehler stellte eingangs Hirte, der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Bundestagsabgeordneter ist, den Schülerinnen und Schülern sowie weiteren interessierten Bürgern der Region vor. Auf die Frage eines Schülers, warum er in die Politik gegangen sei, konnte Hirte seine spannende Biographie vorstellen. Hirte, der im Jahr 1976 in Bad Salzungen geboren ist, wuchs im Schatten der innerdeutschen Grenze in Thüringen auf. Die Aufenthalte am Hof seiner Großeltern in Apfelbach, nur drei Kilometer von Westdeutschland entfernt und trotzdem unerreichbar, empfand er in seiner Kindheit als „Das Ende der Welt“. So sah und sieht er den Fall der Grenze im Jahr 1989 als ungeheure Befreiung. Dies habe ihn motiviert, nach Abitur und Jura-Studium in die Politik einzusteigen.

Hirte berichtete über den aktuellen Stand der deutschen Einheit und betonte, dass es nach einer Phase der Stagnation und der hohen Arbeitslosigkeit in den östlichen Bundesländern mittlerweile wirtschaftlich aufwärts gehe. Auch der Bevölkerungsverlust in den vergangenen Jahre durch Migration von Ost nach West habe sich seit zwei Jahren einer mehrheitlichen Migration von West nach Ost gewandelt. Dennoch komme es erst jetzt zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Er verglich dabei den verstärkten Rechtsruck in den neuen Bundesländern knapp 30 Jahre nach dem Ende der sozialistischen Diktatur mit der Bewegung der 1968-er Jahre, die 25 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur zu einer linken Gegenbewegung geführt habe. Dies sei ein Erklärungsansatz, rechtfertige aber noch lange nicht die hohen Ergebnisse der AfD, wie sie etwa zwei Tage vorher in der Wahl zum Thüringer Landtag aufgetreten seien.

Hirte stellte in dem Gespräch die These auf, dass die Westdeutschen den radikalen Umbruch in Ostdeutschland oftmals nicht nachvollziehen könnten. Der Umbruch sei so eklatant gewesen, dass er noch Jahre später im Bewusstsein der ostdeutschen Bevölkerung ein zentraler Bezugspunkt in ihrem Leben sei. Dennoch sehe er, dass sich das Leben der jungen Menschen in Ost und West durch die sozialen Medien immer mehr angleiche. Die Unterschiede verringerten sich im Laufe der Zeit.

Angesprochen auf die geringe Repräsentanz von Ostdeutschen in Bundesbehörden, Vorständen von Konzernen und Universitätsleitungen stellte sich Hirte klar gegen eine Quote für Ostdeutsche. Es sei in der heutigen Zeit angesichts von Migration und Ost-West-Beziehungen immer mehr unklar, ob man Ost- oder Westdeutscher sei.

Zwei Tage nach der Thüringen-Wahl stellte sich Hirte, der stellvertretender Parteivorsitzender der CDU Thüringen ist, ganz klar hinter seinen Parteivorsitzenden Mike Mohring. Mohring hatte am Tag zuvor eine Koalition sowohl mit den Linken als auch der AfD ausgeschlossen. Eine Zusammenarbeit bei konkreten Sachfragen sei allerdings aus staatspolitischer Verantwortung denkbar, eine Koalition jedoch keinesfalls.

Schulleiter Markus Bente bedankte sich bei dem Ostbeauftragten der Bundesregierung. Es sei alles andere als selbstverständlich, dass Hirte sich kurz nach dieser schwierigen Landtagswahl mit ihrem problematischen Ergebnis den Fragen der Schüler stellt. Bente lobte Hirte für seine den Schülerinnen und Schülern zugewandte und authentische Art, vor allem aber für die Ehrlichkeit, mit der er zum Teil auch politisch heikle Fragen ohne auszuweichen in aller Ausführlichkeit beantwortet habe.

Neben dem Gespräch mit Christian Hirte ist auch eine von der Geschichts-AG der Wigbertschule erstellte Ausstellung Teil des Gedenkens zu „30 Jahre Mauerfall“. Diese von Schülerinnen und Schülern konzipierte Ausstellung setzt sich multithematisch und multimedial mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze auseinander. Dabei zeigen die Lernenden, welche Spuren die Grenze in der Region rund um Hünfeld und in ihren Familienbiographien hinterlassen hat. Besonders wichtig ist den Jugendlichen, strittige Themen zu ergründen. Dazu gehört unter anderem die Auseinandersetzung mit der Arbeit der „Treuhand“ in den Jahren nach der Wiedervereinigung. Auch Fragen nach der inneren Einheit Deutschlands 30 Jahre nach dem Mauerfall wird nachgegangen. Sollten Sie Interesse an den Forschungsarbeiten der Schülerinnen und Schüler haben, dann lädt die Wigbertschule Sie herzlich zu einem Besuch der Ausstellung am „Tag der offenen Tür“ ein.


Christoph Heigel

Adresse

Wigbertschule

Jahnstraße 9
36088 Hünfeld
 
Telefon  (06652) 2033
Telefax  (06652) 917243

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