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Zu Besuch in einer Welt vor ca. 48 Millionen Jahren

Im Rahmen des Erdkundeunterrichts haben die Klassen 8B und 8S eine Exkursion in die Fossilienlagerstätte Grube Messel unternommen. Die Grube Messel liegt in der Nähe von Darmstadt und ist ein UNESCO-Weltnaturerbe.  
Die Führung übernahm ein Exkursionsleiter, der Geologie und Paläontologie studiert hat. Er erzählte uns, dass die Grube ungefähr 48 Millionen Jahre alt sei, d.h. dass kurz vorher die Dinosaurier ausgestorben sind. Als erstes deutsches Naturdenkmal gibt sie einzigartigen Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere. In der Grube Messel findet man nur Fossilien, keine Knochen oder ähnliches. Laut Definition sind Fossilien versteinerte Lebewesen, so z.B. ist auch ein eingefrorenes Mammut, ein Fossil.
Die Grube Messel ist nicht nur bekannt für den Fund von ca. 70 Urpferden, die bei weitem kleiner waren als die jetzigen Pferde und mehr Zehen hatten, sondern auch für die vielen sehr gut erhaltenen Fossilien, z.B. wurden hier sogar versteinerte Mageninhalte oder auch versteinerte Federn gefunden.
Das erste Fossil, das hier im Jahre 1875 gefunden wurde, war ein Krokodil. Es geschah per Zufall, da zuvor in der Grube Bergbau betrieben wurde. 1959 hat die Firma Ytong dort ihre Betonsteine abgeladen, die man nicht entfernen darf, da es nun der Lebensraum vieler Vögel und Kriechtiere ist.  Von 1970 bis 1990 sollte die Grube zu einer Mülldeponie umfunktioniert werden, jedoch kaufte das Land Hessen die Grube 1991 nach einem 20 Jahre währenden Kampf engagierter Bürger und Wissenschaftler gegen eine Errichtung einer Mülldeponie auf. 1995 erhielt die Grube dann sogar die Anerkennung als UNSECO-Weltnaturerbe.
Die Grube hat eine runde Form und einen Durchmesser von einem Kilometer; sie ist 60 Meter tief. In der Grube dominiert dunkelbraunes Gestein. Dieses nennt man Ölschiefer. Ölschiefer ist ein sehr weicher Stein, der mit den bloßen Händen zerbrochen werden kann. Das Gestein riecht sehr ölig. Es entsteht über mehrere Millionen Jahre, indem sich tote Algen mit der Zeit auf dem Seeboden ablagern und zu Gestein umgewandelt werden. Außerdem gibt es hier viel Sandstein, der aus dem Permzeitalter stammt.
Die häufigsten Fossilien, die hier gefunden werden, sind Fossilien von Pflanzen. Beispielsweise wurde hier das Fossil eines Seerosenblattes gefunden, die Grube musste demnach einmal ein stehendes Süßgewässer gewesen sein. Es wurden hier auch viele Fossilien von Sträuchern und Beeren gefunden, wie z.B. Zimt, Ingwer, Lorbeer, Kaffee, Kakao. Da Deutschland damals, bedingt durch die Plattentektonik, auf der Höhe von Sizilien lag, ist es kein Wunder, dass hier so etwas wachsen konnte. Damals gab es in dem See viele Raubfische und andere Arten von Wassertieren, aber am häufigsten war der Schlammfisch.
Außerdem wurde hier das Rieseneichhörnchen gefunden, das eine Größe von bis zu einem Meter hatte. Jedoch war dieses Eichhörnchen bei weitem nicht so schnell, wie die Eichhörnchen heutzutage.
Danach besuchte die Exkursionsgruppe die Fossiliensammlung wie die von Schlammfischen, versteinerten Federn etc. Besondere Fossilien waren u.a. ein Käfer, dessen Originalfarbe noch vorhanden war und Kot eines Krokodils. Acht verschiedene Arten von Krokodilen wurden gefunden. Kurioserweise hatten zwei von ihnen Hufe, also konnten sie sich auf dem Land fortbewegen. Laut einer Theorie, hat sich eines der zwei Landkrokodile auf die Hinterbeine gestellt und ist dann seiner Beute hinterhergerannt. Es gab z.B. auch Riesenameisen, die eine Flügelspannweite von 16 cm hatten.
In der Grube Messel wurde zudem das weltweit zweitälteste vollständige Fossilienskelett gefunden. Dieses Skelett stammt von einem Primaten, das man „Ida“ genannt hat. Ida hatte sich ihr Handgelenk gebrochen und ist dann wahrscheinlich beim Klettern in den See gefallen. Sogar der Mageninhalt von Ida ist noch erhalten.
Schließlich gibt es noch einen weiteren Senbsationsfund: Paläontologen fanden ein versteinertes Urpferd, das ein Junges in seiner Gebärmutter hatte. Eine derartige Versteinerung gibt es nur zwei Mal auf der ganzen Welt.
Ferner konnte man den Archäologen verschiedener Museen bei der Arbeit zusehen. Diese haben die einzelnen Schichten von Ölschiefer getrennt und immer wieder nachgeschaut, ob sich darin ein versteinertes Tier oder eine Pflanze befindet. Die Archäologen graben nur ca. einen Meter tief pro Jahr.
Die Grube Messel ist eine der vier wichtigsten Fossiliengruben in Deutschland, deshalb dürfen auch nur drei archäologische Einrichtungen hier graben: das Frankfurter Senckenberg-Museum, das Hessische Landesmuseum in Darmstadt und das Fossilien- und Heimatmuseum Messel.
Die Archäologen haben sich beim Fund der Grube die Frage gestellt, wie diese Grube entstanden sein könnte. Es gibt drei Theorien: durch einen Vulkan, durch einen Meteorit oder durch einen Grabenbruch.
Im Jahr 2001 haben Forscher ein 433 Meter tiefes Loch gebohrt, um zu schauen, welches Gestein sich unter dem Ölschiefer befindet. So hat man herausgefunden, dass die Grube wohl durch einen Vulkan entstanden ist. Dieser ist jedoch in besonderem Maße ausgebrochen, es handelte sich um einen Maarausbruch. Dieser entsteht, wenn das Magma auf das Grundwasser trifft, dieses dann sofort verdampft, sich in enormer Geschwindigkeit ausdehnt, sodass es zu einer gewaltigen Explosion kommt.
Dort, wo das 433 Meter tiefe Loch gebohrt wurde, kann man jetzt das Grundwasser hochpumpen. Dieses riecht schwefelig, nach verfaultem Ei, schmeckt sehr metallisch und belegt somit den vulkanischen Ursprung.
Nach ca. zwei Stunden endete die eindrucksvolle Führung, die zeigte, wie abwechslungsreich auch das Fach Erdkunde sein kann.
Daniel Sawatzki

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