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Wilm Hosenfeld, ein unangepasster Mackenzeller

Hermann Vinke liest in der Wigbertschule aus Hosenfelds Biographie


Dass es Widerständler gegen die Barbarei des Nationalsozialismus nicht nur in fernen Großstädten, sondern auch in der Nachbarschaft des eigenen Heimatortes gegeben hat, erfuhren die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs der Wigbertschule in einer Lesung und einem Vortrag des früheren Radiojournalisten Hermann Vinke. In Form eines Interviews stellte Oberstudienrätin Cornelia Kaminski den ehemaligen Programmdirektor von Radio Bremen vor. Neben seiner Tätigkeit als Journalist, die ihn auch mehrere Jahre nach Japan geführt hatte, beschäftigte er sich vor allem mit der Geschichte des Widerstandes im Dritten Reich.

Im Zentrum seines im vergangenen Jahr herausgegebenen Werkes steht Wilm Hosenfeld, der in Mackenzell geboren wurde und später in Thalau als Rektor der Volksschule tätig war. Als Schüler habe Hosenfeld die gerade neu errichtete Hünfelder Lateinschule besucht, die direkte Vorgängerinstitution der heutigen Wigbertschule. Diese wird jedoch in Vinkes Werk negativ dargestellt, so betont er dort die stete Präsenz von Prügelstrafen und Gewalt – ganz im Geiste der Kaiserzeit. Von dieser Welt habe sich Hosenfeld nach dem Schulabschluss abgewandt und in der Wandervogel-Bewegung eine neue Heimat gefunden. Dennoch sei er in seinen späteren Jahren ein „echter Nazi“ gewesen, wie Vinke in der Auswertung verschiedener Briefe nachweisen kann. Auch wenn Hosenfeld nicht als Widerständler bezeichnet werden könne, habe er in seiner Zeit als Direktor einer Militärsportschule in Warschau während der deutschen Besetzung Polens jedoch gegenüber polnischen Hilfsarbeitern eine erstaunlich große Milde gezeigt und etliche Polen vor der Deportation in ein Vernichtungslager bewahrt. Unter ihnen sei auch der Musiker und Autor Wladyslaw Szpilman gewesen, der Hosenfelds Taten in der Öffentlichkeit bekannt gemacht habe. So habe er letztlich mit Recht die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verliehen bekommen.

„Dieser Mann soll nicht in Vergessenheit geraten, da nicht viele Deutsche gegen Hitler waren. Erinnert euch immer dieses großartigen Mannes!“ Mit diesem Appell richtete sich Vinke direkt an die Schülerinnen und Schüler und plädierte dafür, ihn als Vorbild für öffentliches und privates Handeln zu nehmen. Für den Vortrag, der von Exkursen in die aktuelle Tagespolitik geprägt war, bedankte sich der Sprecher der Fachschaft Geschichte Oberstudienrat Hans Becker herzlich.

Adresse

Wigbertschule

Jahnstraße 9
36088 Hünfeld
 
Telefon  (06652) 2033
Telefax  (06652) 917243

 

 

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