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9. November – ein denkwürdiger und geschichtsträchtiger Tag

9. November 1918     9. November 1923     9. November 1938     9. November 1989

Alljährlicher fächerübergreifender Schülerprojekttag der Wigbertschule der Fächer Geschichte und Politik und Wirtschaft auf Point-Alpha für die Jahrgangsstufe 12 (Q1)

Schüler der Jahrgangsstufe 12 (Q 1) hatten Gelegenheit an zwei Zeitzeugengesprächen teilzunehmen, um so etwas über das Schicksal politischer Häftlinge der DDR zu erfahren.

Bei einer sich anschließenden Führung über das ehemals amerikanische Point-Alpha-Gelände und entlang des Grenzzaunes erfuhren die Jugendlichen einerseits etwas über die weltpolitische Brisanz dieses amerikanischen Grenzstützpunktes sowie andererseits über den durch ständige technische Veränderungen im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte immer unüberwindbar werdenden Grenzzaun.

Die Zeitzeugen:

1. Michael Schlosser: „Dem Lockruf des Westens gefolgt“ – ein misslungener Fluchtversuch

Michael Schlosser, Jahrgang 1944, arbeitet im Kfz-Bereich als Fuhrparkleiter des DDR-Fernsehens in Dresden. Mehrere Anträge auf Eröffnung einer privaten Autowerkstatt scheitern wegen fehlender Mitgliedschaft in der Partei. Um diesen Traum dennoch zu verwirklichen, folgt er dem „Lockruf“ des Springer-Verlages 1980, die dem DDR-Bürger, der mit einem Hubschrauber auf dem Springer-Hochhaus (West-Berlin) landen würde, eine Million DM verspricht. Der begabte Techniker und begeisterte Flieger baut sich schließlich ein entsprechendes Flugzeug aus Autoteilen. Jedoch werden Schlossers Aktivitäten bereits von der Stasi  überwacht: Zwei Wochen vor der geplanten Flucht wird er im Oktober 1983 verhaftet, kommt nach einer Gerichtsverhandlung nach Bautzen und wird schließlich im Dezember 1984 als politischer Häftling gegen Zahlung von 96 000 DM von der Bundesrepublik freigekauft.

2. Frank Pfannkuche: „...aus der Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik entlassen“ – D-Mark gegen Freiheit

Frank Pfannkuche, 1963 in Vacha geboren, versucht im August 1987 während eines Urlaubs in Ungarn in den Westen zu flüchten. Dabei wird er festgenommen und von der Stasi in die DDR zurückgebracht. Nach zahlreichen Verhören in der U-Haftanstalt der Stasi wird Pfannkuche schließlich zu 14 Monaten Haft verurteilt. Außerdem wird ihm ein unbefristetes Grenzkreisverbot auferlegt, um einen weiteren Fluchtversuch zu verhindern. Damit kann Pfannkuche nicht mehr in seine Heimatregion Vacha zurückkehren.

Durch eine Amnestie für alle politischen Häftlinge durch Erich Honecker Ende 1987 kommt Pfannkuche frei und wird schließlich aus einer von der Stasi überwachten Zwangsunterkunft, dem Karsberg-Gefängnis, wie vorher Schlosser, von der Bundesrepublik 1988 freigekauft und damit aus der DDR ausgebürgert.

3. Benno Kny: „Verurteilt, weil der schwieg“ – Verhängnis einer ungewollten Mitwisserschaft

Benno Kny, Jahrgang 1942, wird am 5. August 1966 durch den Staatssicherheitsdienst der DDR verhaftet. Begründung: Verleitung zur Republikflucht, da er von der Flucht einer DDR-Bürgerin ungewollt erfahren, diese aber nicht der Stasi gemeldet hat. Daher wird er im November 1966 zu 19 Monaten Zuchthaus verurteilt. Im August 1967 wird Benno Kny als einer der ersten DDR-Bürger von der Bundesrepublik freigekauft.

In den Zeitzeugenberichten erfahren die Jugendlichen auch etwas über die Praxis des Freikaufs von politischen Häftlingen aus der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland:

Der Preis des Freikaufs für politische Häftlinge der DDR richtete sich nach dem jeweiligen Ausbildungsstand der betroffenen DDR-Bürger und schwankte pro Häftling zumeist zwischen 80.000 und 120.000 DM. Für fast alle politischen Häftlinge führte der Weg vor ihrer Ausbürgerung in den Westen über das „Kaßberg-Gefängnis" im ehemaligen Karl-Marx-Stadt. .

Schülerkommentare zum Projekttag:

„Ein sehr guter Einblick in die damalige Lage in der DDR.“ (Louis und Noah)

„... höchst interessante Zeitzeugengespräche, welche auch interaktiv waren.“ (Marie und  Moritz)

„Eine spannende und informative Führung“ (Yannik)

„Es sollte weitere Zeitzeugengespräche alternativ zur Führung über das Point-Alpha-Gelände geben.“ (Kevin)

„Ein gelungener Projekttag, der auch für die kommende Jahrgangsstufe durchgeführt werden sollte.“ (Maximilian)